Lesepredigt zum Mitnehmen
9. Sonntag nach Trinitatis, 9. August 2020

Predigttext: Matthäus 25, 14-30

Liebe Gemeinde,
Sie sind ein Talent. Sie haben Talent. Vielleicht haben Sie kein Talent um bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) mitzumachen. Seien Sie sich aber sicher: Gott hat Sie zu etwas Besonderem gemacht.

Vielleicht können Sie gut zuhören; Sie sind vielleicht musikalisch, können in einem Gespräch gut Sachverhalte zusammenfassen. Sie sind ein Organisationstalent oder haben Zeit für andere. Sie sind jemand, der gut mit anpacken kann oder kochen oder backen. Vielleicht können Sie gut die Belastungen anderer mit aushalten. Sie sind vielleicht ein Schenker oder künstlerisch begabt oder jemand, der trösten kann.

Natürlich würden Sie gerne dies und das noch besser können. Dennoch: Sie sind von Gott wunderbar gemacht. Gott hat Sie mit Gaben und Begabungen ausgestattet. Er schenkt allen seine Liebe und Barmherzigkeit und zusätzlich noch Fähigkeiten und Begabungen, damit wir selbst dieses Pfund an Barmherzigkeit und Liebe einsetzen für andere. 

Es kommt in unserem Leben darauf an, im Vertrauen auf Gott und in der Verantwortung vor ihm zu leben. Dazu gehört, die von Gott geschenkten Möglichkeiten einzusetzen.

Davon erzählt Jesus in einem Gleichnis: Da war ein reicher Mann, der für längere Zeit außer Landes ging: Er rief seine Diener herbei und vertraute ihnen sein Vermögen an. Sein Vermögen war groß. Dem einen Diener gab er fünf Zentner Silber, dem anderen zwei, dem dritten einen Zentner, jedem nach seiner Tüchtigkeit. 

Ich bin überrascht darüber, was für ein Vertrauen der reiche Mann seinen Dienern entgegenbringt. Ein Zentner Silber wog in der damaligen Zeit rund 35 Kilo. Wenn man bedenkt, dass die Kaufkraft von Silber zurzeit Jesu um ein Vielfaches höher war als heute, dann hatte selbst der Diener, der nur einen Zentner Silber bekam ein großes Vermögen zur Verfügung. 

Dann zog der Herr fort.

Die Jünger Jesu, die das Gleichnis hörten, wussten natürlich, dass Gott mit dem reichen Mann gemeint war. Gott stattet uns Menschen mit den Talenten und Begabungen aus, die wir weiterentwickeln und in unserem Leben einsetzen können. Gott schenkt uns auch sein Wort, die Gemeinschaft mit ihm, ein Leben mit der Perspektive, dass es in Gottes Ewigkeit hineinführt. Was für ein großer innerer Reichtum, der uns für unser Leben zur Verfügung steht.

Jesus erzählte dann weiter, was die Diener mit diesem anvertrauten Vermögen machten. Der erste, der mit den fünf Zentnern Silber ging hin, handelte mit diesem Vermögen und konnte es verdoppeln. Auch der zweite nahm die zwei Zentner Silber und gewann zwei weitere Zentner hinzu. 

Wie schön ist es, wenn man sieht, wie das eigene Tun Frucht bringt. 

Dann erzählte Jesus vom dritten Diener. Dieser arbeitete nicht mit dem anvertrauten Vermögen. Er grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. 

Warum macht er das? Er hat Angst vor seinem Herrn. Für diesen Diener ist der Herr einer, der ihn bestraft, wenn er einen Fehler macht, und der sich alles unter den Nagel reißt, wenn er es richtig macht. Da kann man ja nur Angst vor haben…

Vor Gott brauchen wir keine Angst zu haben, aber wir sollen ihm mit  Ehrfurcht begegnen. Ehrfurcht ist etwas völlig anderes als Angst. Angst lähmt. Ehrfurcht und Erstaunen über Gottes große Liebe dagegen, kann uns dazu bringen verantwortlich mit all den geschenkten Gaben in der Welt mitzugestalten. Wir sind nämlich von Gott Beauftragte. Wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs….

Zurück zum Gleichnis: Der dritte Diener in dem Gleichnis verhält sich falsch. Er ist durch seine Angst vor seinem Herrn  so gelähmt, dass er nichts mit dem Vermögen, welches er anvertraut bekommen hat, wagt. Wie dumm!

Er kann nichts in seinem Leben gewinnen, weil er sich nicht traut. Gott will uns nicht überfordern. Er traut uns zu, dass wir vielleicht den kleinen Schritt auf unseren Nächsten zugehen. 

Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und wollte wissen, was aus dem anvertrauten Vermögen geworden war. Da trat der, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. Darüber wurde der Herr froh: „Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen.“ 

Da trat auch der herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: „Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen.“
Schließlich trat auch der herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Sieh, da hast du das Deine. 

Was für ein verzerrtes Bild er von seinem Herrn hat. Wie hat er sein Vermögen vertan. Hätte er es doch wenigstens zur Bank zu den Geldwechslern gebracht, wo man zurzeit Jesu noch Zinsen bekam, nicht so wie heute…

Er hätte dann wenigstens das Vermögen mit Zinsen zurückgegeben. 

Diese Tatenlosigkeit, diese Zuschauermentalität am Weltgeschehen kreidet der Herr ihm an. Anstatt frei zu leben und etwas mit seinem einen Zentner Silber zu riskieren, wagt der Diener nichts und gewinnt nichts. Sein Talent geht zugrunde. Eigentlich bestraft er sich damit selbst. Er möchte nichts verlieren – und verliert am Ende alles. Denn am Ende des Gleichnisses wird ihm vom Herrn auch noch dieses Vermögen genommen. 

Im Unterschied zum dritten werden die beiden anderen Knechte mit gleichem Lob bedacht. Es geht nicht um eine Leistung-Lohn-Relation nach dem Motto: Wer viel macht und viel Gewinn erzielt, wird auch besonders gelobt. Gelobt wird nicht der Gewinn sondern die Bereitschaft zur Arbeit, die Treue, ohne dass eine Mindestforderung gesetzt wäre.

In der Lutherübersetzung sagt der Herr zu den beiden ersten Knechten jeweils, „Geh hinein zu des Herrn Freude!“ Eigentlich sollte es anders übersetzt werden: „Komm teile die Freude deines Herrn“. Komm teile die Freude Gottes, darüber, dass Du Dich traust. Dass Du vielleicht mit dem was Du hast und was Du bist, die Welt ein kleines bisschen veränderst. Vielleicht im Miteinander in Deiner Familie, vielleicht unter Nachbarn, vielleicht im Beruf an dem Ort wo Gott Dich hingestellt hat. Sei offen für die Situation, wo Dein Talent wichtig wird. Du kannst etwas, du bist etwas. Du bist Gottes Bodenpersonal. Gerade durch dich will Gott hier in der Welt wirken. 

Welches Vertrauen setzt Gott da in uns, wo wir doch eher sagen: Ich kann ja doch nichts ändern. Es ist doch alles so verfahren.“ 

Ein Pfarrer, mit dem ich über die allgemeine Lage der Kirche in unserer Gesellschaft sprach, sagte: „Manchmal habe ich den Eindruck, wir sind Sämänner im Winter. Wir säen, wir tun, wir machen. Aber es kommt nichts dabei herum“. 
Das, was der Pfarrer sagt, mag uns vielleicht auch hier und da so vorkommen. Aber, wir sind nicht für die Frucht verantwortlich, wir sind für das Säen verantwortlich.

Gott vertraut Dir so viel an. Du bist geliebt, du kannst dich trauen. Und wer weiß, ob nicht Dein Talent jetzt gerade Frucht bringen kann. Versuche es doch einfach. Amen.

Es grüßt Sie 
Ihr Pfarrer Ernst-A. Schmidt